Will man ermitteln, welche Produktionsmenge den Gewinn G der Unternehmung maximiert, muss man betrachten, wie sich Umsatz U und Kosten C mit der Produktion x verändern.
[1] G(x) = U(x) - C(x)
In den vorigen Abschnitten wurde die
Kostenfunktion C(x) hergeleitet
und ausführlich diskutiert. Was den Umsatz betrifft, ist eigentlich
nicht viel mehr zu sagen, als dass er sich für die Konkurrenzunternehmung
angeben lässt als Preis mal Absatzmenge:
[2] U(x) = pxx
Dabei sei an Folgendes erinnert: Erstens, die Preise können durch
die Unternehmung nicht beeinflusst werden. Zweitens wird angenommen,
dass die Produktion unmittelbar und vollständig abgesetzt werden
kann. Damit gilt, dass jede zusätzlich produzierte Einheit eine
Umsatzsteigerung in Höhe des Preises auslöst. Hierfür wurde im
Zusammenhang mit der
direkten
Preiselastizität der Nachfrage der Begriff
Grenzumsatz
eingeführt.
Er ist für die Unternehmung
bei vollkommener Konkurrenz immer gleich dem Preis. Aus ihrer
Perspektive ist der Markt "unendlich" groß und die Nachfrage
vollkommen elastisch (vgl. a.
Amoroso-Robinson-Relation).
Der Umsatz lässt sich in Abhängigkeit von der Produktionsmenge (=Absatzmenge) als Gerade durch den Ursprung darstellen (Abb. 1) .
Umsatz einer Unternehmung bei vollkommener Konkurrenz in Abhängigkeit von der Produktionsmenge. Die Pfeile zeigen Auswirkungen von Änderungen des Marktpreises.
Wird nun die
Kostenfunktion
der Abbildung hinzugefügt, kann man den Gewinn für alternative
Produktionsmengen als senkrechten Abstand zwischen Umsatz- und
Kostenfunktion ablesen. Abbildung 2 zeigt für einen
klassischen
Kostenverlauf mit dem grün hinterlegten Bereich alle Produktionsmengen,
die nicht zu einem Verlust führten. Aus der in Abbildung 2 wiedergegebenen
Kostenfunktion kann übrigens auf eine kurzfristige Betrachtung
geschlossen werden, da fixe Kosten in Höhe FC anfallen.
Innerhalb des grünen Bereichs produziert die Unternehmung mit Gewinn, am linken und rechten Rand dieses Bereichs ist der Gewinn gerade null, da Kosten und Umsatz übereinstimmen.
Um das Gewinnmaximierungsproblem grafisch zu lösen, kann man die senkrechten Abstände zwischen Umsatz- und Kostenfunktion ausmessen und als Gewinnfunktion darstellen (Abb. 3). Der höchste Gewinn findet sich offenbar dort, wo die Gewinnfunktion eine Steigung von null zeigt. Allerdings ist das, wie man aus Abbildung 3 erkennen kann (dazu Mauszeiger über die Grafik stellen), nur eine notwendige, jedoch keine hinreichende Bedingung für ein Gewinnmaximum. Auch bei einem Verlustmaximum (= Gewinnminimum) ist die Steigung der Gewinnfunktion gleich null. Es ist also zusätzlich zu überprüfen, ob die Steigung der Gewinnfunktion mit steigender Produktion abnimmt. Das ist nur beim Gewinnmaximum der Fall.
Gewinnfunktion: Senkrechter Abstand zwischen
Umsatz- und Kostenfunktion. Wenn Sie den Mauszeiger über
die Grafik bewegen, sehen Sie, dass die Steigung der
Gewinnfunktion null ist, wenn die Steigungen von Umsatz-
und Kostenfunktion übereinstimmen.
[Maussensitives Diagramm]
Die grafische Betrachtung liefert die entscheidenden Hinweise für das analytische Vorgehen. Die erste Ableitung der Gewinnfunktion nach der Produktionsmenge muss null, ihre zweite Ableitung negativ sein. Zunächst wird in Gleichung [1] der Umsatz durch den Ausdruck in [2] ersetzt
[3] G(x) = pxx - C(x)
und anschließend die erste Ableitung gleich null gesetzt
[4] ![]()
[5] ![]()
Damit kann als notwendige Bedingung für ein Gewinnmaximum festgehalten werden:
Die Unternehmung
bei vollkommener Konkurrenz wählt die Produktionsmenge so,
dass
die Grenzkosten dem Produktpreis entsprechen. Diese Gewinnmaximierungsregel
wird
Preis-Grenzkosten-Regel oder (seltener) Gesetz
des erwerbswirtschaftlichen Konkurrenzangebots genannt.
Um sicher zu gehen, dass die notwendige Bedingung kein Gewinnminimum beschreibt, wird die zweite Ableitung berechnet:
[6] ![]()
Die
Grenzkosten
müssen also steigen.
Wie kann man die Regeln inhaltlich interpretieren? Wenn das Unternehmen die Produktion um eine Einheit ausdehnt, steigt der Umsatz um den Produktpreis. Die Kosten steigen um die Grenzkosten. Liegen die Grenzkosten unter dem Preis, so steigt der Gewinn durch die weitere produzierte Einheit. Wenn die Grenzkosten - wie die hinreichende Bedingung fordert - steigen, wird die nächste Produkteinheit den Umsatz zwar wieder um den Preis steigen lassen, aber zu einem stärkeren Anstieg der Kosten führen. Erst wenn die Kosten durch die letzte produzierte Einheit um den Betrag des Preises steigen, lohnt sich eine weitere Ausdehnung der Produktion nicht mehr. Umgekehrt, wenn der Preis unter den Grenzkosten läge, würde sich natürlich eine Verminderung der Produktion positiv auf den Gewinn auswirken. In einfacher Sprache:
Das nächste Stück wird produziert, wenn es mehr Umsatz bringt als es Kosten verursacht.

Das obere Diagramm zeigt das Gewinnmaximum bei der Produktionsmenge, bei der die Steigung von Kosten- und Umsatzfunktion übereinstimmen. Im unteren Diagramm kann man die gewinnmaximierende Menge über die Preis-Grenzkosten-Regel finden. Der Gewinn lässt sich als Strecke (oberes Diagramm) und als Fläche (unteres Diagramm) ablesen.
So einfach ist das! Ökonomen drücken es halt nur etwas komplizierter aus.
Da spielt es keine Rolle, ob der Unternehmer die Preis-Grenzkosten-Regel kennt. Wenn er Produkte genau dann herstellt, wenn es sich für ihn lohnt, dann hält er sich an diese Regel - ob er ihr bewusst folgt oder auch nicht.
Die "Preis-Grenzkosten-Regel" kann man in Abbildung 4 im oberen Diagramm als Übereinstimmung der Steigungen von Kostenfunktion (= Grenzkosten) und Umsatzfunktion (= Preis) erkennen.
Im unteren Diagramm kann man in einer maßstabsgetreuen Grafik eine Parallele zur Abszisse in Höhe des Produktpreises einzeichnen. Ihr Schnittpunkt mit der Grenzkostenkurve zeigt die gewinnmaximierende Produktionsmenge. Da die Konstruktion eines solchen Doppeldiagramms, in dem dann "tatsächlich alles zueinander passt", recht aufwendig ist, skizziert man die Diagramme meistens einzeln.
Wird die Grenzkostenfunktion von der Preisgeraden im fallenden
Bereich geschnitten, ist die hinreichende Bedingung für ein Gewinnmaximum
nicht erfüllt, denn die Grenzkosten sinken mit zunehmender Produktion.
Natürlich kann es auch vorkommen, dass gar kein (inneres) Gewinnmaximum
existiert. Das ist z. B. dann der Fall, wenn die Grenzkosten immer
fallen.
Aus den Überlegungen zum
Zusammenhang von Grenz- und Durchschnittskosten ist bekannt,
dass fallende Grenzkosten sinkende Durchschnittskosten bedeuten.
Das Produkt kann daher um so kostengünstiger angeboten werden,
je mehr hergestellt wird (Gesetz der Massenproduktion). Die Produktion
wird kurzfristig an der Kapazitätsgrenze erfolgen, vorausgesetzt
der Preis deckt die variablen Kosten.
Der Fall sinkender Grenzkosten ist in Abbildung 5a skizziert. Abbildung 5b zeigt konstante Grenzkosten. Stimmen Sie mit dem Preis überein, dann ist die optimale Produktionsmenge unbestimmt. Liegen sie unter dem Preis, wird an der Kapazitätsgrenze produziert. Wenn sie den Preis übersteigen (die dargestellte Situation), lohnt sich die Produktion nicht.
Das linke Diagramm (a) zeigt sinkende Grenzkosten. Der Gewinn steigt mit zunehmender Produktion. Das rechte Diagramm zeigt eine mögliche Konstellation für den Fall konstanter Grenzkosten. Da hier die Grenzkosten den Preis übertreffen, liegt das Gewinnmaximum bei der Produktionsmenge null.
Ein Gewinnmaximum kann also nur für den Fall steigender Grenzkosten
berechnet werden. Ansonsten ist die hinreichende Bedingung für
ein Gewinnmaximum nicht erfüllt und es kommt zu einer Randlösung,
so dass entweder gar nicht oder an der Kapazitätsgrenze produziert
wird. Steigende Grenzkosten liegen dann vor, wenn die Skalenelastizität
der Produktionsfunktion unter 1 liegt, m.a.W. bei abnehmenden
Skalenerträgen (vgl. die Ausführungen zum
Zusammenhang
zwischen Kosten- und Niveauproduktionsfunktion).
Beim
klassischen Ertragsgesetz ist dies nur im III. Bereich gegeben.
Bei
neoklassischen Produktionsfunktionen,
wie z.B. der Cobb-Douglas-Funktion X=K0.3L0.6,
trifft dies durchgängig zu.
Die eigentliche Angebotsfunktion kann man nun im unteren Diagramm von Abbildung 4 erkennen. Da sich der gewinnmaximierende Unternehmer nach der Preis-Grenzkosten-Regel richtet, kann man für jeden ihm vom Markt vorgegebenen Preis über die Grenzkostenfunktion die optimale Produktionsmenge ablesen.
Die
Angebotsfunktion ist allerdings nur ein Teil der Grenzkostenkurve: es ist ihr aufsteigender
Ast, beginnend im
Betriebsminimum.
Dieser Bereich ist in Abbildung 6 rot hervorgehoben.
Die Beschränkung auf den aufsteigenden Ast muss wegen der hinreichenden Bedingung für ein Gewinnmaximum erfolgen. Im fallenden Bereich können nur Gewinnminima auftreten. Unterhalb des Betriebsminimums wird die Unternehmung auch kurzfristig die Produktion einstellen, so dass die optimale Angebotsmenge auf null springt (das ist hier eingezeichnet, unterbleibt aber oft).
Der rote Kurvenverlauf zeigt die volständige Angebotsfunktion. Der Bereich, bei dem das Angebot null ist, wird der Angebotsfunktion oft nicht zugerechnet und i. d. R. auch nicht grafisch dargestellt.
Die Angebotsfunktion einer Unternehmung ist der aufsteigende Bereich ihrer Grenzkostenfunktion beginnend im Betriebsminimum.
Die Tatsache,
dass nur der aufsteigende
Ast der Grenzkostenfunktion als Angebotsfunktion in Frage kommt,
bedingt, dass das geplante Angebot der einzelnen Unternehmung mit
steigendem Preis zunimmt. Das wird analog zum Gesetz der Nachfrage
als
Gesetz
des Angebots bezeichnet. Daneben findet sich noch ein weiterer
Grund für ein mit dem Preis wachsendes Angebot: Selbst wenn infolge
technischer Besonderheiten die einzelnen Unternehmen bei steigenden
Preisen die Produktion nicht ausdehnen könnten, würde das Marktangebot
wahrscheinlich zunehmen, da die durch die höheren Preise steigenden
Gewinne Wettbewerber in den Markt locken würden.
Da die Angebotsfunktion der Grenzkostenfunktion entspricht,
lässt
sich eine
oben abgeleitete
Eigenschaft der Grenzkostenfunktion unmittelbar auf die Angebotsfunktion
übertragen: Die Fläche unter der Angebotsfunktion zeigt die variablen
Kosten der Unternehmung. Das
konnte auch schon im
einführenden Zahlenbeispiel zum
Dingermarkt
beobachtet werden.