Die nachstehende Abbildung 1 verdeutlicht, wie die
Elastizitäten der Angebots- und Nachfragefunktion über die Verteilung der
Steuerlast entscheiden. Bewegen Sie dazu den Mauszeiger über die grauen Kreise in der Tabelle unterhalb der Abbildung. Als orangefarbene Fläche erkennen Sie dann den Anteil der Steuer, den die Konsumenten
zu tragen haben. Als rote Fläche erscheint der Steueranteil der Produzenten. Diese Aufteilung der Steuerlast oder das Auseinanderfallen von Steuerzahler und Steuerträger heißt
Steuerinzidenz.
| Angebotselastizität | |||
| Nachfrage- elastizität |
niedrig | normal | hoch |
| niedrig | |||
| normal | |||
| hoch | |||
Die Verteilung der Steuerlast wird in Abbildung 1 jeweils durch rote und orangefarbene Flächen dargestellt. Machen Sie sich klar, dass es sich dabei um Renten (Produzentenrente und Konsumentenrente) handelt, die der Staat abschöpft.

[Maussensitives Diagramm] Bewegen Sie die Maus über eine der neun Kmobinationen der beiden Elastizitäten.
Verwenden Sie die Abbildung, um folgende Aussagen zu illustrieren:
1. Wenn die Elastizitäten von Angebot und Nachfrage übereinstimmen,
teilen sich beide Marktparteien die Steuerlast zu gleichen Teilen.
Aber auch nur dann! Dies ist ein nicht auszumerzender Fehler: Zwar wird immer schnell erkannt, dass Steuerzahler und Steuerträger nicht notwendig übereinstimmen. Aber zumindest nachlässig wird anschließend oft formuliert, Anbieter und Nachfrager würden würden jeweils genau die halbe Steuerlast tragen. In der Abbildung stellen Sie diese Situationen als "niedrig-niedrig", "normal-normal" oder "hoch-hoch" dar.
2. Wenn entweder die Nachfrage- oder die Angebotselastizität
zunimmt, dann geht die Gleichgewichtsmenge stärker zurück.
Etwas eleganter formuliert: Je höher die Elastizitäten, desto größer der Mengeneffekt der Steuern. Deswegen eignen sich aus Sicht des Finanzministers natürlich vor allem Güter zur Besteuerung, die unelastisch angeboten und nachgefragt werden. Entscheidend ist dabei aus zwei Gründen vor allem die Elastizität der Nachfrage. Erstens lassen sich die Nachfrager viel schwieriger als die Anbieter organisieren. Daher ist der Steuerwiderstand, den sie leisten können, typischerweise viel geringer als der der regelmäßig gut organisierten Anbieter. Zweitens kann man langfristig eigentlich immer von einem recht elastischen Güterangebot ausgehen.
3. Der Marktpreis steigt umso stärker, je elastischer das
Angebot im Verhältnis zur Nachfrage ausfällt, m.a.W. die
Anbieter können die Steuer um so leichter auf die Konsumenten
überwälzen.
4. Mit steigenden Elastizitäten nimmt der durch die Steuer
verursachte Allokationsverlust zu.
Nicht nur, dass Steuern die Wirtschaftssubjekte in Höhe des Steuerumsatzes belasten, sie belasten sie auch noch indirekt ("excess burden"), indem sie die optimale Allokation stören, die funktionierende Märkte zustande bringen. Daher ist es vielversprechend, nach Steuersystemen zu suchen ("Theorie optimaler Besteuerung"), die die Allokation nicht stören. Ein Beispiel dafür ist die Kopf- oder Pauschalsummensteuer, die das einzelne Wirtschaftssubjekt ganz unabhängig von seinen ökonomischen Aktivitäten trifft. Die Folge ist, dass die Steuer keine Verhaltensänderung auslöst, da man die Steuer ja nicht vermeiden kann, wenn man den Konsum eines Gutes einschränkt, wie es bei der hier betrachteten Mengensteuer der Fall ist. Eine Kopfsteuer scheitert natürlich an der politischen Durchsetzbarkeit, da sie als ungerecht empfunden wird.
Welche Güter fallen Ihnen ein, die (in besonderem Maße) besteuert werden? Sind Sie der Ansicht, die Konsumenten könnten auf diese Güter leicht verzichten? Wie schätzen Sie die direkte Preiselastizität der Nachfrage nach diesen Gütern ein?