In diesem Abschnitt betrachten wir die Standardmodelle aus einem kaum überschaubaren Angebot theoretischer Erklärungsversuche zum Verhalten von Anbietern bei oligopolistischen Marktstrukturen. Die Vielzahl der Ansätze hat einen einfachen Grund: Im Unterschied zu den beiden Extremen Monopol (= ein Anbieter) und Konkurrenz ("unendlich viele" Anbieter) müssen Oligopolisten das Verhalten ihrer Konkurrenten antizipieren. Der Monopolist muss das offensichtlich nicht, weil es ex definitione keinen weiteren Anbieter gibt. Der Anbieter bei vollkommener Konkurrenz muss es nicht, weil er ein so kleines Licht im Markt ist, dass seine Aktionen den Preis des Produktes nicht beeinflussen. Wenn die anderen Marktteilnehmer seine Aktionen aber gar nicht bemerken, werden sie auch nicht darauf reagieren. Also muss der Anbieter bei vollkommener Konkurrenz keine Vermutungen über Reaktionen der Konkurrenten anstellen.
Die Untergrenze der Zahl der Anbieter im Oligopol beträgt natürlich zwei. Eine exakte Obergrenze kann man nicht angeben. Es sind halt "wenige" - "wenige" in dem Sinn, dass Aktionen eines Unternehmens die Marktsituation der anderen spürbar beeinflussen.
In einem Oligopol mit zwei bis vielleicht einem Dutzend, maximal 20 Anbietern, sieht das ganz anders aus. Nehmen wir den einfachsten Fall mit zwei Anbietern, so genannten Duopolisten. Die Politik des einen hat unmittelbare, spürbare Auswirkungen auf die Situation des anderen. Denn was der eine an Marktanteil gewinnt, geht dem anderen verloren. Denkt ein Duopolist also z. B. über eine Preissenkung nach, dann sollte er in seine Überlegungen einbeziehen, wie der andere Duopolist darauf reagieren wird. Ein Gedanke könnte sein, dass der andere Duopolist seinen Preis ebenfalls senken wird. Ein anderer, dass er mit verstärkter Werbung für sein Produkt reagiert. Ein dritter aber auch, dass er vielleicht gar nicht reagiert und in stoischer Ruhe an seinem Preis festhält. Die Erwartung, die ein Duopolist hinsichtlich des Verhaltens seines Konkurrenten hat, wird sein eigenes Verhalten sicher beeinflussen.
Wenn man Oligopolmärkte benennen soll, hilft es, an bekannte Markennamen zu denken.
Kennen Sie einen Markennamen für a) Vergasertreibstoff, b) koffeinhaltige Getränke, c) Dachlatten, d) Eheringe, e) Kies?
Endgültig sicher ist diese Methode jedoch nicht, da der Übergang zur Marktform monopolistischer Konkurrenz fließend ist.
Die Modelle lassen sich hinsichtlich dieser Erwartungen voneinander unterscheiden. Wir beginnen mit dem bekanntesten Oligopolmodell von
Cournot, dem wir aufgrund seiner Bedeutung den breitesten Raum widmen. Mit den Modellen von
von Stackelberg und
Bertrand greifen wir die beiden bekanntesten Kritikpunkte am Cournotmodell auf. Anschließend untersuchen wir im Abschnitt
Kartelle
und Gefangenendilemma Absprachen unter den Anbietern.