Zur Messung der Monopolmacht wird der Abstand von Monopolpreis pM und Konkurrenzpreis pK herangezogen. Je weiter der Monopolist den Monopol- über den Konkurrenzpreis anhebt, umso stärker soll seine Monopolmacht eingeschätzt werden. Wenn der vom Monopolisten geforderte Preis sich nicht vom Konkurrenzpreis unterscheidet, besitzt das Monopol keine Macht.
Der einfache Abstand pM-pK hat den Nachteil,
beliebige Werte annehmen zu können. Wenn man den relativen Abstand
misst, normiert man das Maß auf das Intervall [0,1]. In dieser
Form ist es als
Lerner's
ratio oder Lerners
Monopolgrad bekannt:
[1]![]()
Wenn tatsächlich ein Monopol vorliegt, dessen Macht gemessen werden soll, ist der Konkurrenzpreis aber nicht bekannt. Vielleicht hat man großes Glück und findet für den gleichen Markt in einem Land einen Konkurrenzmarkt vor, der die Beobachtung des Konkurrenzpreises zuließe. Das dürfte aber eher unwahrscheinlich sein. Und außerdem gäbe es dann mit hoher Wahrscheinlichkeit noch weitere Unterschiede, z.B. im Nachfrageverhalten, die das Ergebnis verfälschen würden.
Die Theorie hilft aber weiter: Wäre der
Markt ein Konkurrenzmarkt, dann würden sich die Anbieter nach
der
Preis-Grenzkosten-Regel
richten. Daher lässt sich der Preis in Gleichung [1], zu
dem Konkurrenten die Monopolmenge anbieten würden, durch den Wert Grenzkosten
ersetzen, der der Regel zufolge ja dem Preis gleich sein muss:
[2]![]()
Der Monopolist hält sich an die
Grenzumsatz-Grenzkosten-Regel. Somit kann man die Grenzkosten durch den Grenzumsatz ersetzen, der durch die
Amoroso-Robinson-Relation gegeben wird:
[3]![[3]](gifs/Messung der Monopolmacht_gl3.gif)
Die Vereinfachung des Ausdrucks (nachdem man pM gekürzt hat) zeigt, dass Lerners Monopolgrad dem (negativen) umgekehrten Wert der direkten Preiselastizität der Nachfrage E entspricht.
Die Monopolmacht wird mit Lerners Monopolgrad als Verhältnis der durch die beiden Klammern angezeigten Abstände gemessen. Diese Relation wird umso kleiner, je flacher (elastischer) die Preis-Absatz-Funktion verläuft.
Dieses Ergebnis ist ausgesprochen plausibel, zeigt doch die
Preiselastizität an, wie dringlich die Konsumenten auf das Produkt angewiesen sind.
Ein absolut kleiner Wert deutet auf einen dringlichen Bedarf hin.
In diesem Fall kann der Monopolist einen hohen Preis durchsetzen,
ohne dass die nachfragte Menge allzu stark zurückgeht. Mit steigendem
Elastizitätswert schwindet die Macht des Monopolisten. Wenn die
Nachfrage unendlich elastisch wird, ist gar keine Monopolmacht
mehr vorhanden. Das beschreibt aber auch gerade den Verlauf von
solchen Preis-Absatz-Funktionen, denen sich Anbieter bei vollkommener
Konkurrenz gegenübersehen.