In diesem Abschnitt wird das Gesetz der Nachfrage erklärt. Wie bei allen ökonomischen Gesetzen handelt es sich auch beim Gesetz der Nachfrage um eine empirische Gesetzmäßigkeit. Zwar lässt sich das Gesetz der Nachfrage im Modell beweisen, doch in der Realität ist nicht auszuschließen, dass vereinzelte Beobachtungen möglich sind, die dem Gesetz widersprechen. Das liegt einfach daran, dass sich die Realität (leider oder glücklicherweise - je nach Standpunkt) nicht an die restriktiven Rahmenbedingungen des Modells hält.
Unter den zahlreichen ökonomischen Gesetzen nimmt das Gesetz der Nachfrage eine Sonderstellung ein. Es ist von grundlegender Bedeutung für nahezu alle Bereiche der Wirtschaftswissenschaften (auch für die Betriebswirtschaftslehre) und besitzt im Unterschied zu anderen ökonomischen Gesetzmäßigkeiten - so sie denn empirisch überhaupt zutreffen* - einen hohen Erklärungsgehalt.
Um das Gesetz herzuleiten, wird zunächst das Konzept der Budgetgerade vorgestellt.
Anschließend wird, etwas abweichend von der üblichen Vorgehensweise,
eine empirische Regelmäßigkeit herangezogen, um die fast durchgängige
Gültigkeit des Gesetzes zu belegen. Die traditionelle Vorgehensweise
mit Hilfe von Indifferenzkurven wird im
Abschnitt
"Gesetz der Nachfrage II" vorgestellt.
Jetzt und im Folgenden werden die
grundlegenden
Annahmen, die bereits erörtert wurden, strikt beachtet. Der Haushalt,
den wir exemplarisch betrachten werden, hat keinen Einfluss auf Preise.
Er ist ein Mengenanpasser. Er verhält sich wie ein homo oeconomicus.
Zudem wird zur Vereinfachung Folgendes angenommen:
Welchen Anteil seines Einkommens der Haushalt für Konsumzwecke in
der laufenden Periode ausgeben möchte, ist bereits entschieden. Dieser
Betrag wird als Einkommen bezeichnet und mit dem Symbol E belegt. Eine
zutreffendere Bezeichnung wäre Konsumsumme. Der Begriff Einkommen hat
sich aber eingebürgert, auch wenn die Konsumsumme pro Periode in aller
Regel vom Einkommen pro Periode abweicht.*
Es gibt nur zwei Güter. Das eine Gut ist das Gut X. Seine Menge wird mit dem Symbol x, sein Preis pro Einheit mit px bezeichnet. Das gilt entsprechend für das zweite Gut Y.
Diese Annahme ist weit weniger dramatisch, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Sie wird eigentlich nur benötigt, um eine grafische Darstellung zu ermöglichen. In einer analytischen Darstellung machte es keinen wesentlichen Unterschied, ob zwei, drei oder beliebig viele Güter betrachtet würden.