Um die Auswirkungen einer Preisänderung im Detail analysieren zu können, wird in Abbildung 1 eine Preissteigerung für das Gut Y angenommen. Die Ausgangssituation ist P. Die Preissteigerung kommt in der Linksdrehung der schwarzen in die rote Budgetgerade zum Ausdruck. Aus dem Vergleich der Ordinatenabschnitte der schwarzen und roten Budgetgerade erkennt man, dass sich der Preis von Y ungefähr verdoppelt.* S zeigt das Haushaltsgleichgewicht nach der Preiserhöhung. Im Vergleich zu P geht der Konsum vom teurer gewordenen Y deutlich zurück, während das relativ preiswertere X etwas vermehrt nachgefragt wird.
Animierte Darstellung: Slutsky-Zerlegung. Bewegen Sie die
Maus über die Grafik, um die Konstruktionsschritte zu sehen
(Bildfolgezeit ca. 1 Sekunde) oder klicken Sie auf das Symbol
,
um die Animation Schritt für Schritt zu steuern.
[Maussensitives Diagramm]]
Die im folgenden beschriebenen Konstruktionsschritte der nicht unkomplizierten Grafik werden gezeigt, wenn der Mauszeiger über das Diagramm bewegt wird:
Wenn Sie
den Mauszeiger aus der Grafik
ziehen, sehen Sie den
Einkommenseffekt als EE und den
Substitutionseffekt als SE gekennzeichnet. Die ockerfarbene Budgetgerade wird die
schwarze Indifferenzkurve in P auf jeden Fall schneiden. Das ist
nicht spezifisch für dieses Diagramm und die angenommenen Präferenzen,
sondern eine generelle Folge der
Konvexitätsannahme.
Der Tangentialpunkt T muss somit unterhalb des Tangentialpunktes
P liegen. Somit ist gewiss:
Wenn ein Gut im Preis steigt und das reale Einkommen des Haushalts konstant gehalten wird, geht die Nachfrage nach diesem Gut zurück.
Das ist das
Gesetz
der Nachfrage. Es sagt nichts darüber aus, wie stark der Konsum
zurückgeht. Aber es ist gesichert, dass die Nachfrage zurückgeht
- vorausgesetzt natürlich, die Annahmen treffen zu. Wie stark
der Konsum bei Preissteigerungen zurückgeht, ist eine empirische
Frage. Ökonometrische Untersuchungen, die an dem hier vorgestellten
theoretischen Konzept ansetzen, messen die Nachfragereaktionen
mithilfe von
Elastizitäten.
Die vorgenommene
(hypothetische) Aufspaltung des Gesamteffekts in einen Einkommens-
und Substitutionseffekt ist als
Slutsky-Zerlegung bekannt. Ein verwandtes Konzept ist die Hicks-Zerlegung. Sie unterscheidet
sich von der Slutsky-Zerlegung in folgendem Aspekt: Die Slutsky-Zerlegung
gibt dem Haushalt nach der Preissteigerung so viel Einkommen,
dass er sich das Güterbündel P der Ausgangssituation gerade wieder
kaufen könnte. Die Hicks-Zerlegung gibt dem Haushalt gerade den
Betrag, der notwendig ist, dass er die ursprüngliche Indifferenzkurve
durch den Punkt P wieder erreichen kann. Es wird also nicht das
Einkommen, sondern der Nutzen des Haushalts konstant gehalten.
Die ockerfarbene Budgetgerade wird also nicht so weit nach außen
geschoben, bis sie durch P verläuft, sondern nur so weit, bis
sie die schwarze Indifferenzkurve tangiert.
Wie in Abbildung 2 gezeigt, treten auch bei dem im Preis konstant gehaltenen Gut X infolge der Preisänderung bei Y Effekte auf. Der Substitutionseffekt wirkt nun natürlich - das Gut wird ja relativ billiger - zugunsten von X. Das rückläufige reale Einkommen führt zu einer verminderten Nachfrage. X ist also für diesen Haushalt ein superiores Gut.
Die Preisänderung bei Gut Y löst Kreuzpreiseffekte bei Gut X aus. Wenn das Gut superior ist, wirken Einkommens- und Substitutionseffekt gegeneinander, so dass sich a priori über die Richtung des Kreuzpreiseffektes wenig sagen lässt.
Abbildung 3 nimmt
das betrachtete
Zahlenbeispiel wieder auf und zeigt eine maßstabsgetreue Darstellung,
bei der eine Preissteigerung des Gutes Y von 4 auf 10 Geldeinheiten angenommen
wird. Die Nachfrage geht von 125 auf 50 Stück zurück (Gesamteffekt).
Einkommens- und Substitutionseffekt sind mit 37,5 Stück jeweils
gleich groß. Beim Gut X heben sich die beiden Effekte gegeneinander
auf. Es gibt also keinen Kreuzpreiseffekt (wenn keine Einkommenskompensation
stattfindet). *
Für das Zahlenbeispiel lassen sich die Güterbündel P, S und T recht einfach ermitteln. Wenn Sie die drei Haushaltsgleichgewichte ermitteln, können Sie die Einkommens- und Substitutionseffekte selbst berechnen.
Maßstabsgetreue Darstellung von Einkommens- und Substitutionseffekt für das Zahlenbeispiel (U=XY, Einkommen = 1000, X kostet 5 Geleinheiten pro Stück, der Preis des Gutes Y steigt von 4 auf 10 Geldeinheiten).
Das letzte Beispiel zeigt den Giffen-Fall (er ist nicht nur unwahrscheinlich, sondern auch schwer zu zeichnen; s. Abb. 4). Wenn der Haushalt nicht im Einkommen kompensiert wird, kann die Nachfrage nach einem Gut - hier dargestellt für X - zunehmen, wenn der Preis des Gutes steigt. Dazu muss der Einkommenseffekt den Substitutionseffekt überkompensieren. Das ist für sich genommen schon unwahrscheinlich. Außerdem muss - damit Substitutions- und Einkommenseffekt in die entgegengesetzte Richtung wirken, das Gut inferior sein. Auch das ist eher der Ausnahmefall. Giffen-Güter sind also sozusagen unwahrscheinlich im Quadrat.
Giffen-Fall: Wenn der Haushalt nicht im Einkommen kompensiert wird, kann der Einkommenseffekt eines stark inferioren Gutes größer als der Substitutionseffekt sein, so dass trotz Preisanstieg die Nachfrage steigt - wie hier für Gut X gezeigt.
www.bundesregierung.de
Mo 01.01.2001
Dritte Stufe der Ökosteuer in Kraft getreten
Am 1. Januar 2001 ist die dritte Stufe der Ökosteuer in Kraft getreten. Damit hat sich die Steuer auf Benzin und Diesel um 6 Pfennig je Liter erhöht. Die Steuer auf Strom stieg um 0,5 Pfennig je Kilowattstunde. Die Steuern auf Gas und Heizöl wurden nicht erhöht.[...] Die Ökosteuer schafft Anreize zum Energiesparen mit einer maßvollen, berechenbaren Anhebung der Mineralölsteuer. Sie fördert die neuen Technologien. Deutschland wird weniger abhängig vom Öl, vom Ölpreis und behält die Nase vorn in energiesparender und umweltfreundlicher Technologie. Das ist ein immenser Zukunftsmarkt mit Jobs, Einkommen und starken Impulsen für das Wirtschaftswachstum.
[...] Die Ökosteuer senkt die Kosten für Arbeit. Die Bundesregierung stopft mit den Einnahmen aus der Ökosteuer keine Haushaltslöcher - sie gibt die Einnahmen in vollem Umfang zurück, vor allem durch Senkung der Beiträge zur Rentenversicherung. Das verringert die Kosten der Arbeit. Das wiederum schafft neue Arbeitsplätze und sichert bestehende.
[...] Der Preis für Heizöl ist im letzten Jahr noch stärker gestiegen als der Spritpreis - auch wenn sich die Situation in den letzten Tagen beruhigt hat. Die Bundesregierung hilft und federt die Auswirkungen ab: mit einem einmaligen Heizkostenzuschuss von DM 5 pro Quadratmeter Wohnung für Empfänger von Wohngeld, BAföG-Empfänger, die nicht im Haushalt der Eltern leben und Sozialhilfeempfänger.
Berufspendler können für Fahrten von der Wohnung zur Arbeit ab 1. Januar 2001 von der Steuer absetzen - je Entfernungskilometer
- 70 Pfennig bis zu einer Entfernung von zehn Kilometern
- 80 Pfennig ab dem elften Kilometer - das sind zehn Pfennig mehr als die bisherige Kilometerpauschale für Autofahrerund zwar bis zu 10 000 Mark jährlich ohne Nachweis. Das gilt unabhängig vom Verkehrsmittel, also auch für die Benutzer von Bussen, Bahnen, für Radfahrer und sogar für Fußgänger.
Nimmt man die nebenstehende Verlautbarung der Bundesregierung
zur Kenntnis, stechen im Hinblick auf die
Slutsky-Zerlegung die beiden gemarkerten Textpassagen heraus: Ein Gut - Energie
- wird verteuert, gleichzeitig wird der reale Einkommensverlust
aber kompensiert.
Angenommen, es findet tatsächlich annähernd ein realer
Einkommensausgleich statt, dann liegt die Schlussfolgerung auf
der Hand. Das
Gesetz der
Nachfrage gilt selbstverständlich auch für Energie: Wenn Energie im Preis steigt und das reale Einkommen des Haushalts
konstant gehalten wird, geht die Nachfrage nach Energie zurück.
Kann es so einfach sein? Dann würde die Ökosteuer ja tatsächlich ihrem Namen alle Ehre erweisen.
Es ist natürlich nicht so einfach, aber im Prinzip ist
die Überlegung korrekt. Ein ganz wesentlicher Einwand
ist die vermutlich geringe
Preiselastizität
der Nachfrage nach Energie (s. hierzu auch
Pigou-Steuer).
Den Anbietern wird es gelingen, die durch die Steuer gestiegenen
Kosten großenteils an die Konsumenten zu überwälzen,
denn weniger Energie zu verbrauchen ist nicht so einfach wie der
Verzicht auf gelbe Paprika, wenn diese teurer wird. Es ist zunächst
also nur wahrscheinlich, dass der Effekt überhaupt eintritt,
aber die Theorie verrät nicht, in welchem Ausmaß.
Ein weiterer Einwand könnte darin gesehen werden, dass das
reale Einkommen bei den Haushalten nur im Durchschnitt konstant
gehalten wird. Da man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen
kann, dass es sich bei Energie um ein
superiores
Gut handelt, kann bei Haushalten, die überdurchschnittlich
an der Einkommenskompensation partizipieren, (theoretisch) der
Effekt eintreten, dass sie nach Einführung der Ökosteuer
sogar mehr Energie verbrauchen. Das ist aber erstens unwahrscheinlich,
weil
Einkommens- im Vergleich zu Substitutionseffekten typischerweise klein sind, und zweitens insgesamt unerheblich,
da der Rückgang der Nachfrage der Haushalte, die bei der
Einkommenskompensation schlecht abschneiden, diesen Effekt ausgleichen
würde.
Natürlich müsste zur Analyse der Wirkung der Ökosteuer auch betrachtet werden, dass Energie durch die Steuer als Produktionsfaktor teurer wird. Und auch eine makroökonomische Analyse wäre anzuraten, um zu einem Gesamtbild zu kommen. Daneben hat die Steuer nicht nur allokative Wirkungen, sondern auch distributionelle, die hier aber weniger interessieren.
In diesem Beispiel wurde nur die Wirkung der Ökosteuer auf der mikroökonomischen Nachfrageseite betrachtet. Hier muss man zu dem Schluss kommen, dass die Steuer in der gewünschten Richtung wirkt. Ob die Energieeinsparung durch den Substitutionseffekt auch quantitativ bedeutend ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber es gibt ja wenigstens einen, der sich freuen kann, wenn es nicht so ist: den Finanzminister.
Und schließlich: Hier wurde nur der Frage nachgegangen, ob die Steuer effektiv ist, d. h. grundsätzlich Wirkung zeigt. Ebenso wichtig ist natürlich die Frage, ob die Ökosteuer auch effizient ist, d. h. wie sie im Vergleich zu anderen Instrumenten abschneidet.