Wir hatten bereits
kurz betrachtet, wie Haushalte mit ihrer Güternachfrage auf
ein
verändertes Einkommen reagieren. In diesem Zusammenhang
hatten wir einige Begriffe eingeführt: Wenn die Nachfrage
mit steigendem Einkommen zunimmt, wird das entsprechende Gut superior
oder normal, im gegenteiligen Fall wird es inferior genannt. Die
Nachfrageänderung, die durch die Einkommensänderung
ausgelöst wird, wird Einkommenseffekt genannt.
Nun werden wir untersuchen, wie ein Haushalt seine Nachfrage nach einem Gut in Abhängigkeit von der Einkommenshöhe gestaltet. Dazu lassen wir das Einkommen von einem niedrigen Niveau schrittweise ansteigen und bestimmen für jeden Schritt das Haushaltsgleichgewicht. Die Einkommensanstiege lassen sich grafisch durch Parallelverschiebungen der Budgetgeraden darstellen. Ausgehend von A sind in Abbildung 1 Budgetgeraden für insgesamt sieben Einkommenshöhen dargestellt.
Animierte Darstellung: Einkommens-Konsum-Kurve. Bewegen Sie die Maus über die Grafik, um die Konstruktionsschritte zu sehen.
Für jede Budgetgerade wird mit der tangierenden
Indifferenzkurve das Haushaltsgleichgewicht bestimmt. Beim höchsten
Einkommen, das hier angenommen wurde, erreicht der Haushalt sein
Gleichgewicht in E. Wenn man sich den Einkommensanstieg nicht
in Stufen, sondern stetig vorstellt, und alle sich ergebenden
Haushaltsoptima verbindet, erhält man eine
Einkommens-Konsum-Kurve.
Bei anderen Preisverhältnissen der Güter hätten
sich mit anderen Haushaltsgleichgewichten natürlich andere
Einkommens-Konsum-Kurven ergeben. Die Lage der Einkommens-Konsum-Kurven
wird also neben den Präferenzen auch durch das Güterpreisverhältnis
bestimmt; m.a.W.: Güterpreise sind Lageparameter. Wie
ihr Name sagt, zeigt die Einkommens-Konsum-Kurve für alternative
Einkommen (bei gegebenen Preisen) den (gleichgewichtigen) Konsum
des Haushalts an. Ob die Kurve gekrümmt oder gerade ist,
hängt von den Präferenzen des Haushalts ab. Sie muss
auch nicht - wie hier dargestellt - immer eine positive Steigung
zeigen.
1.) Was kann man über die beiden Güter aussagen, wenn die Einkommens-Konsum-Kurve ansteigt?
2.) Was würde es bedeuten, wenn
die Einkommens-Konsum-Kurve eine Gerade durch den
Ursprung wäre?
Wenn
Sie die zweite Frage nicht beantworten können,
liegt das wahrscheinlich daran, dass Sie nicht
wissen, was sich auf einer Geraden durch den Ursprung
nicht verändert:
.
Da sich im Diagramm nun die optimalen Mengen von X (und ebenso
natürlich von Y) bei alternativen Einkommen ablesen lassen,
liegt es nahe, in einem neuen Diagramm die nachgefragte Menge
X in Abhängigkeit vom Einkommen darzustellen (vgl. Abb. 2). Hierbei handelt es sich um eine Nachfragefunktion
mit dem Namen
Engel-Kurve (allerdings nicht um die Nachfragefunktion, die ja den
Zusammenhang zwischen nachgefragter Menge und Preis eines Gutes
beschreibt). Die in Abbildung 2 dargestellte Engel-Kurve ist nicht
aus der Einkommens-Konsum-Kurve in Abbildung 1 abgeleitet, sondern
zeigt nur einen beispielhaften Verlauf. Das erkennt man am inferioren
Bereich, für den sich in Abbildung 1 keine Entsprechung findet.
X ist im gesamten dargestellten Bereich der Einkommens-Konsum-Kurve
superior.
Durch die rote Tangente kann man für die nähere Umgebung
von A ablesen, dass der Konsum von X mit dem Einkommen etwa
proportional ansteigt. Mit steigendem Einkommen nimmt der Konsum
von X dann allerdings nur noch unterproportional zu und wird schließlich
sogar rückläufig. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der
deutsche Statistiker Engel für die Lebensmittelausgaben von
Haushalten beobachtet, dass sie mit steigendem Einkommen
nur unterproportional zunehmen. Diese Regelmäßigkeit
ist heute unter dem Namen "Engelsches Gesetz" bekannt. Damit ist
auch klar, woher die Engel-Kurve ihren Namen hat. Das Pendant in der Makroökonomik ist
Keynes' fundamental psychologisches Gesetz.
Lässt man nun nicht das Einkommen,
sondern den Preis eines Gutes variieren, erhält man anstelle
einer Einkommens- eine
Preis-Konsum-Kurve.
Die Konstruktionsschritte sind die gleichen wie zuvor, mit dem
Unterschied, dass nun in Abbildung 3 bei konstantem Einkommen
und konstantem Preis für Y der Preis des Gutes X ausgehend
von A immer weiter gesenkt wird. Dadurch kommt es zu einer Drehung
der Budgetgeraden. Die Verbindung der resultierenden Haushaltsgleichgewichte
ist die Preis-Konsum-Kurve. Über ihre Gestalt lässt
sich - will man die Annahmen des Modells nicht verschärfen
- wenig sagen.
Durch die Variation eines Preises findet man über die Verbindung der resultierenden Haushaltsoptima eine Preis-Konsum-Kurve.
Vollkommen analog hätte man natürlich auch den Preis des Gutes Y variieren lassen und so eine Preis-Konsum-Kurve für Y ermitteln können. Und schließlich sei noch auf folgenden Aspekt hingewiesen, auch wenn er eigentlich selbstverständlich sein sollte: Preisänderungen bei einem Gut haben auch Auswirkungen auf die gleichgewichtige Nachfragemenge des anderen Gutes (wenn es sich nicht zufällig um unabhängige Güter handelt).
Aus den Preis-Konsum-Kurven werden die Nachfragefunktionen für
die Güter gewonnen. Bevor dies im
übernächsten
Abschnitt gezeigt wird, werden wir im
nächsten
Abschnitt die Auswirkungen einer Preisänderung genauer
analysieren.