Die
Einkommenselastizität
eines Gutes ist nichts anderes als die Elastizität der
Engel-Kurve.
Da man in der Regel nicht an der Einkommenselastizität eines einzelnen
Haushalts interessiert ist, sondern an der durchschnittlichen
Einkommenselastizität aller Haushalte (oder einer Gruppe von Haushalten),
zieht man eine über die Haushalte aggregierte Engel-Kurve heran.
Die Aggregation erfolgt vollkommen
analog
zur Aggregation von Nachfragefunktionen. Die aggregierte Engel-Kurve
unterscheidet sich prinzipiell nicht von der eines einzelnen Haushalts.
Aus der allgemeinen Diskussion der Elastizitäten ist bekannt,
dass
(a) die Elastizität einer Kurve
in einem bestimmten Punkt der Elastizität der Tangente in diesem
Punkt entspricht und
(b)
eine Gerade durch den Ursprung mit einem Wert von eins isoelastisch
ist. Daher lässt sich über Punkt A in Abbildung 1 jene Einkommenshöhe
bestimmen, bei der die Einkommenselastizität der Nachfrage gleich
eins ist. Links von A ist die Einkommenselastizität größer, rechts
von A kleiner als eins.
Der Wert
einer Einkommenselastizität von eins wird herangezogen, um zwischen
Grundbedarfsgütern und
Luxusgütern
zu unterscheiden. Liegt die Elastizität über eins, handelt es
sich um ein Luxusgut; liegt sie unter eins, um ein Grundbedarfsgut.
Nun scheint es auf den ersten Blick so, als sei das hier betrachtete
Gut X zugleich ein Grundbedarfs- und Luxusgut, denn die Engel-Kurve
zeigt für dieses Gut ja Elastizitäten von über und unter eins.
Es scheint nicht nur so, es ist auch so. "Zugleich" darf man allerdings
nicht im Sinne von gleichzeitig interpretieren. Bei niedrigem
Einkommensniveau kann ein Gut sehr wohl ein Luxusgut sein, das
bei hohen Einkommen zum Grundbedarfsgut wird. Dahinter steht die
Überlegung, dass bei geringen Einkommen zunächst die Grundbedürfnisse
befriedigt werden. Mit steigendem Einkommen werden dann zunehmend
auch Luxusbedürfnisse befriedigt. Daher geht der Anteil der Ausgaben
für Grundbedarfsgüter mit steigendem Einkommen zurück*, während der Anteil der Ausgaben für Luxusgüter zunimmt.
Wer dieser Überlegung zustimmt, gibt damit zugleich zu verstehen, dass er den Wert eins der Einkommenselastizität als kritische Grenze zwischen Luxus- und Grundbedarf akzeptiert. Denn eine Einkommenselastizität für ein Gut über eins bedeutet einen mit steigendem Einkommen zunehmenden Ausgabenanteil für dieses Gut.

Quelle: "Urteil: Besuch nicht nötig, anrufen
reicht", Schaumburger Nachrichten v. 24.08.98 .
Wenn das Gericht seine Entscheidung
auf
Basis einer empirischen, ökonomisch
fundierten
Untersuchung über die Nachfrage
nach Kleinwagen
getroffen hätte, welche
Maßzahl wäre
in der Untersuchung zu finden
und in welchem Wertebereich
hätte sie gelegen?
Das lässt sich wie folgt erklären: Der Ausgabenanteil am Einkommen
z. B. für das Gut x beträgt pxx/E. Der Preis von x
ist konstant. Der Ausgabenanteil kann sich also nur mit x und
E ändern. Wenn x relativ stärker zunimmt als E, dann steigt der
Ausgabenanteil. Das ist aber bei einer Einkommenselastizität größer
eins der Fall, denn sie bedeutet ja gerade, dass x stärker wächst
als E. Die Einkommenselastizität entspricht nämlich dem Verhältnis
der Wachstumsraten von x und E. Man
muss natürlich, um diese Argumentation einsehen zu können, wissen,
dass ein
Bruch x/z steigt, wenn x stärker wächst als z (Rechnen mit Wachstumsraten ![]()
; Aggregationseigenschaft der Einkommenselastizitäten ![]()
).
Es kann also festgehalten werden, dass Einkommenselastizitäten über eins auf ein Luxusgut und Einkommenselastizitäten unter eins auf ein Grundbedarfsgut hindeuten.
Die Unterscheidung ist allerdings nicht trennscharf und die Einkommenselastizität sicher nicht das einzige, aber ein sehr objektives Kriterium, zwischen Grund- und Luxusbedarf zu unterscheiden. Der Wert der Einkommenselastizität wird wesentlich vom Niveau des Einkommens bestimmt.
Ein weiterer markanter
Punkt in
Abbildung 1 ist P. Hier wechselt
die Einkommenselastizität ihr Vorzeichen.
Güter mit positiver Einkommenselastizität heißen superior oder normal, solche mit negativer inferior.
Der Regelfall ist der des superioren Gutes. Für inferiore Güter gibt es wenige Beispiele (z. B. Margarine). Gelegentlich werden Güter mit einer Einkommenselastizität zwischen null und eins als relativ inferior bezeichnet und zur besseren Unterscheidung Güter mit einer negativen Einkommenselastizität dann als absolut inferior. Relativ inferiore Güter verlieren mit steigendem Einkommen anteilsmäßig an den Ausgaben des Haushalts, weil die Nachfrage nach ihnen langsamer wächst als das Einkommen. Wie bei der Unterscheidung zwischen Grund- und Luxusbedarf gilt auch hier, dass ein und dasselbe Gut je nach den Rahmenbedingungen entweder superior oder inferior sein kann.
Je höher die Einkommenselastizität ausfällt, desto stärker steigt die Nachfrage mit steigendem Einkommen, aber desto mehr geht sie mit sinkendem Einkommen auch zurück. Das bedeutet für Branchen, die Luxusgüter herstellen, eine höhere Konjunkturanfälligkeit (= Schwankungen im Einkommen) als dies in Branchen der Fall ist, die Grundbedarfsgüter produzieren.