Es wird Sie kaum überraschen, dass es im Produktionsbereich auch noch eine Parallele
zur
Nutzenmöglichkeitskurve im Konsumbereich gibt. Um
sie aufzuzeigen, wird in Abbildung 1 ein "Bier-Zigaretten-Güterraum" aufgespannt,
in den von der Effizienzkurve die an den Isoquanten ablesbaren
Produktionsmengen Punkt für Punkt übertragen werden. Das Ergebnis
heißt Transformationskurve. Die Achsenabschnitte der Transformationskurve entsprechen den beiden Ursprüngen der
Produktions-Box.
Die Transformationskurve. Die Grenzrate der Transformation in P entspricht dem Verhältnis dZ zu dB.
Die Transformationskurve zeigt die Produktionsmöglichkeitsgrenze einer Volkswirtschaft
und wird daher oftmals auch so bezeichnet.
Alle Punkte auf der Tranformationskurve sind technisch effizient,
jedoch sind natürlich auch alle Punkte unter ihr realisierbar, indem entweder Faktoren nicht vollbeschäftigt sind oder die Grenzraten der technischen Substitution in den verschiedenen Verwendungen nicht übereinstimmen. Ein Punkt unterhalb der Transformationskurve korrespondiert also mit einer Produktionsbox, bei der wenigstens eine Kantenlänge kleiner ist als die Faktorausstattung oder mit einem Punkt in der Box, der nicht auf der Effizienzkurve liegt.
Was versteht man unter technischer Effizienz? Bedeutet technische Effizienz zugleich auch ökonomische Effizienz? Bedeutet umgekehrt ökonomische Effizienz auch zugleich technische Effizienz?
Der Steigung der Transformationskurve heißt Grenzrate der Transformation.
Ihr kommt eine wichtige Bedeutung zu. Sie zeigt an, wie viel Einheiten eines Gutes eine Volkswirtschaft aufgeben muss, wenn von dem anderen Gut eine zusätzliche Einheit hergestellt werden soll. Sie zeigt also jeweils die Opportunitätskosten (synonym: Alternativkosten oder Verzichtskosten) der Produktion in Einheiten des anderen Gutes an.
Der in Abbildung 1 skizzierte konkave Verlauf ist für Transformationskurven
typisch. Zwei verschiedene Ursachen können allein oder zusammen
dafür verantwortlich sein. Eine Ursache sind unterschiedliche
Kapitalintensitäten in der Produktion der beiden Güter, die andere mögliche Ursache
unterlinear homogene Produktionsfunktionen. Eine der beiden Ursachen
ist für einen konkaven Verlauf immer notwendig, jedoch ist nur die
unterlinear-homogene Produktionsfunktionen, wenn sie für beide Güter
zutrifft, hinreichend. Der Effekt unterschiedlicher Kapitalintensitäten
kann durch überlinear-homogene Produktionsfunktionen in Richtung auf
ganz oder teilweise konvex verlaufende Transformationskurven überkompensiert
werden.
Bevor wir die beiden Gründe mit Hilfe einer grafischen Darstellung
in Abb. 2 illustrieren, wollen wir zunächst Plausibilitätsüberlegungen
anstellen. Für den Fall unterlinear-homogener Produktionsfunktionen
ist dies nicht weiter schwierig. Ein
Homogenitätsgrad von bspw. r
= 0.5 bedeutet ja, dass eine Verdoppelung der Produktionsmenge erst
mit einer Vervierfachung des Faktoreinsatzes erreicht wird. Eine
Skalenelastizität kleiner eins bewirkt,
dass zunehmende Produktionssteigerungen bei einem
Gut je produzierter Einheit immer mehr Faktoren binden. Umgekehrt heißt
das, dass relativ kleine Produktionsmengen mit relativ geringem Faktoreinsatz
je Einheit realisierbar sind. Wir wollen nun annehmen, für Bier gelte
eine unterlinear-homogene und für Zigaretten eine linear-homogene
Produktionsfunktion. Um die Überlegung so einfach wie möglich
zu gestalten, gehen wir von einem notwendigen Faktoreinsatz von einer Einheit
Arbeit und einer Einheit Kapital je herzustellender Zigaretteneinheit aus.
In Kapital und Arbeit ausgedrückt ist damit der "Zigarettenpreis"
für jede denkbare Produktionsmenge konstant (wenn man bereit ist,
diese Faktorbindung als "Preis" zu akzeptieren). Anders sieht es aber aus,
wenn für die Zigaretten die Opportunitätskosten in Biereinheiten
betrachtet werden. Nehmen wir dazu an, wir befänden uns auf der Transformationskurve
in einem Punkt, wo die Grenzrate der Transformation Alternativkosten der
Zigaretten in Höhe von zwei Biereinheiten anzeigt. Bewegen wir uns
nun auf der Transformationskurve in Richtung mehr Bier und weniger Zigaretten,
dann steigt annahmegemäß der durchschnittliche Faktoreinsatz
beim Bier, während er bei Zigaretten mit je einer Faktoreinheit konstant
bleibt. Also sinkt der "Zigarettenpreis" gemessen in Biereinheiten. Wird
die Bierproduktion auf Kosten der Zigarettenproduktion weiter ausgedehnt,
so müssen die Alternativkosten der Zigaretten weiter abnehmen. Da
die Alternativkosten jedoch gerade der Grenzrate der Transformation entsprechen,
nimmt die Steigung der Transformationskurve kontinuierlich ab, wenn wir
uns aus dem vorgegebenen Ausgangspunkt in Richtung Zigaretten bewegen und
umgekehrt. Unterlineare Homogenität der Produktionsfunktionen für
beide Güter verstärkt diesen Konkavitätseffekt. Die Konkavität
der Transformationskurve spiegelt also in gewisser Weise wider, dass
Produktionsausweitungen für Güter mit einer Skalenelastizität
kleiner Eins zunehmend mehr Ressourcen binden.
Der zweite Grund für Konkavität ist schwieriger einzusehen
und wir wollen es daher in diesem Absatz ausnahmsweise mal nicht so ganz
genau nehmen und uns wirklich auf eine Plausibilitätsebene herablassen.
Dazu nehmen wir an, Zigaretten werden relativ kapitalintensiv hergestellt,
weil Kapital hier ein "produktiverer" Faktor als beim Bier ist. Demzufolge
wird Bier relativ arbeitsintensiv hergestellt, da die gesamtwirtschaftliche
Kapitalintensität ja durch die fix vorgegebenen Faktormengen konstant
ist. Grafisch bedeutet dies, dass die
Effizienzkurve in der Produktionsbox ständig oberhalb der Diagonalen verläuft. Würden
nur Zigaretten und kein Bier hergestellt, dann müsste zwangsläufig
die Kapitalintensität in der Zigarettenproduktion mit der gesamtwirtschaftlichen
Kapitalintensität übereinstimmen. Analog lässt sich
der Gedanke für die Bierproduktion nachvollziehen. Sowohl für
die arbeitsintensive Bier- als auch für die kapitalintensive Zigarettenproduktion
würde diese vollständige Spezialisierung keinen günstigen
"Faktormix" bedeuten, d. h. ein Faktor wäre sehr reichlich vorhanden,
der andere sehr knapp. Die Situation verbessert sich relativ, wenn beide
Güter produziert werden. Dann kann nämlich in die Zigarettenproduktion
relativ "viel" vom hier vergleichsweise knappen Kapital und in die Bierproduktion
relativ "viel" von der dort vergleichsweise knappen Arbeit gelenkt werden.
Bei beiden Gütern verbessert sich im Vergleich zur vollständigen
Spezialisierung der "Faktormix". Beide Güter werden demzufolge gemessen
in Einheiten der anderen relativ günstig produziert, während
sich mit zunehmender Spezialisierung in der einen oder anderen Richtung
diese Alternativkosten kontinuierlich erhöhen würden, was einer
Konkavität der Transformationskurve gleichkommt.
Um die Transformationskurve grafisch herzuleiten, ist es notwendig,
an den Begriff der
Niveauproduktionsfunktion zu erinnern. Sie zeigt
für homogene Produktionsfunktionen den Output in Abhängigkeit
eines Faktors bei konstanter
Kapitalintensität. Sie ist damit
eine Produktionsfunktion bei totaler Faktorvariation, da sich bei
konstanter Kapitalintensität der Einsatz des Faktors Kapital ebenso
vervielfacht wie der Einsatz der Arbeit oder umgekehrt - je nachdem, welcher
der beiden Faktoren für die Darstellung gewählt wird.
In Abbildung 2 wird im II. Quadranten eine Produktions-Box für Bier und Zigaretten gezeigt. Es wird angenommen, dass beide erörterten Gründe für die Konkavität der Transformationskurve vorliegen; Zigaretten seien weiterhin das relativ kapitalintensive Gut.
Die Diagonale in der Produktions-Box wird als Hilfsgerade benötigt, um über die Niveauproduktionsfunktionen im I. und III. Quadranten die Produktionsmengen im IV. Quadranten als Transformationskurve abtragen zu können. In der Steigung der Diagonalen kommt die gesamtwirtschaftliche Kapitalintensität zum Ausdruck, da die Länge der Box die Arbeits- und die Höhe die Kapitalausstattung der Wirtschaft anzeigt. Für diese Kapitalintensität ist im I. Quadranten eine Niveauproduktionsfunktion für Zigaretten in Abhängigkeit vom Kapitaleinsatz eingezeichnet; im III. Quadranten wird dementsprechend eine Niveauproduktionsfunktion für Bier in Abhängigkeit vom Arbeitseinsatz konstruiert.
Um das Gegenstück P' im IV. Quadranten zum Punkt P im II. zu finden, betrachten wir als Beispiel die Isoquante Z0 für Zigaretten. Da auf einer Isoquante die produzierte Menge in jedem Punkt konstant ist, können wir zum Punkt Q übergehen, ohne die Zigarettenmenge zu verändern. Um die Menge tatsächlich im Punkt Q zu erzeugen, wird bei der gesamtwirtschaftlich vorgegebenen Kapitalintensität der Kapitaleinsatz KZ0 benötigt. Für eben diese Kapitalintensität haben wir aber im I. Quadranten die Niveauproduktionsfunktion konstruiert, so dass wir jetzt die der Isoquante Z0 zugehörige Zigarettenmenge auf die Abszisse des I. Quadranten abbilden können.
Vollkommen analog - nur jetzt gegen den Uhrzeigersinn - lässt sich die Aktion für Bier wiederholen. Damit ist der Punkt P', der auf der Transformationskurve liegen muss, gefunden. Um die gesamte Transformationskurve vollständig abbilden zu können, muss die Aktion lediglich für ausreichend viele Punkte auf der Effizienzkurve wiederholt werden.