Nachdem die Bedingungen für ein
Allgemeines Gleichgewicht bekannt
sind und wir von der Möglichkeit unendlich vieler Gleichgewichte bei
gegebenen Präferenzen und gegebener Faktorausstattung wissen, die jeweils mit unterschiedlichen Verteilungen einhergingen, interessiert
natürlich die Frage, welches dieser Allgemeinen Gleichgewichte optimal
ist. In welchem Sinne aber optimal? An dieser Stelle, an der wir beginnen,
verschiedene Zustände der Volkswirtschaft nach "Güte" oder Wünschbarkeit
zu ordnen, ist noch nicht einmal geklärt, ob der Zustand, den wir
als den besten auswählen werden, überhaupt ein Allgemeines Gleichgewicht
ist. Entscheidend hat nämlich die Zugrundelegung der individuellen
Nutzen unsere bisherige Analyse geprägt ("
Utilitarismus") und nichts
und niemand könnte ein Abweichen von dieser Vorgehensweise als falsch
nachweisen. Traditionell jedoch wird an den individuellen Nutzen
als wichtigsten Bausteinen des Theoriegebäudes festgehalten. Schließlich
steckt darin ja auch
einiges an Überzeugungskraft, wenn man sich auf
den Standpunkt stellt, jeder wisse für sich selbst am besten, was
er wolle. Außerdem haben wir bisher - allerdings ohne es ausdrücklich
zu betonen - alle Menschen als gleich (wichtig) angenommen, was wohl auch
allseits akzeptiert werden dürfte. Im weiteren Verlauf werden wir
jedoch erfahren, dass wir diese Gleichheitsannahme aufgeben müssen,
um weitere Aussagen ableiten zu können. Dieser wichtige Punkt geht
leider oft etwas unter, wenn sich die Ausführungen abstrakter Individuen
bedienen, anstatt identifizierbare Personen handeln zu lassen.
Prinzipiell unterscheidet sich die nun folgende Theorie wenig von einer
Darstellung des
Haushaltsgleichgewichts. An die Stelle des Individuums
tritt die Gesellschaft, an die Stelle der Budgetgerade je nach Vorgehensweise
die
Transformationskurve oder die sogenannte
Große Nutzenmöglichkeitskurve und den Platz der
Nutzenfunktion nimmt eine
Gesellschaftliche Wohlfahrtsfunktion ein. Mit ihr lässt sich das "
Optimum Optimorum" einer Volkswirtschaft ermitteln.